Mit Zahnärzte ohne Grenzen nach Sambia

Am Samstag, den 04.08.2018 ging es für unser Team endlich von Frankfurt nach Sambia. Unser Team bestand aus dem teamleitenden Zahnarzt Manfred Adelmann, Isabel Deny (Zahnärztin), Irene Schuk (Assistenz) und mir, Frauke Heck (Assistenz). Nach einem langen Flug sind wir Sonntag spät nachmittags in Lusaka gelandet. Dort wurden wir von unserem sehr herzlichen Fahrer Moses abgeholt und in die Sandy Beach Safari Lodge gebracht. Als wir ankamen war es bereits spät und dunkel. Auf dem Weg konnten wir einen ersten Eindruck auf die staubigen Straßen und das Land erhaschen. Hermann Striedl ist der Verantwortliche und unser Gastgeber in Sambia. Hermann hat uns mit seinen rund 70 Jahren in den ganzen drei Wochen sehr herzlich betreut und viele interessante Geschichten erzählt. Wir haben uns in dem kleinen bayrischen Zuhause in Sambia pudel wohl gefühlt. Hermann kennt wirklich unfassbar viele Menschen in Sambia, ist sehr engagiert, erfüllt jeden Wunsch und hat ein großes Herz.

Am Montag, den 06.08.2018 hatten wir zum Einstieg einen Behandlungstag in der 10 Minuten entfernten Mädchenschule, welche Hermann Striedl selbst aufgebaut hat. Wir haben über mehrere Stunden einen Eindruck der Räumlichkeiten, der Arbeitsweise und der Ausstattung bekommen. Wir hatten stets eine Person an unserer Seite, um uns mit den Instrumenten und den Geräten zu helfen. Es gibt einen Werkzeugschrank, in dem die wichtigsten Materialien und Instrumente verstaut sind. Dieser ist immer im Auto dabei. Auch einen klappbaren Stuhl, eine Absaugung und einen chirurgischen Motor hatten wir stets dabei. So war es möglich Zahnbehandlungen wie Füllungen und auch Zahnextraktionen durchzuführen. Zur Trocknung von Kavitäten vor dem Legen einer Füllung hat Hermann eine alte Fahrradpumpe umgebaut. Einfallsreichtum und Improvisation ist hier oft gefragt.

 

Dienstag bis Freitag waren wir dann in unterschiedlichen Orten im Umkreis von bis zu 2 Stunden Autofahrt. Manche Orte waren so versteckt, dass selbst Hermann teilweise über den Weg nachdenken musste. Straßenschilder gibt es keine und die Pisten sind meist nicht asphaltiert. Unsere erste Handlung nach der Ankunft ist meist Instrumente entstauben, denn selbst der Schrank in dem chirurgische Instrumente gelagert werden, ist nach einer Fahrt über die Pisten völlig verstaubt.

Am dritten Tag waren wir in Chamba. Die Ausstattung dort ist so minimal. Der Raum erinnerte uns eher an einen Schuppen, mit alten Fahrrädern Motorrädern, Stacheldrahtrollen und anderem Gerümpel. Strom, fließend Wasser oder auch Desinfektionsmittel gibt es in der Klinik nicht. Unsere Geräte wurden zwecks Stromversorgung an unsere Motorhaube angeschlossen, Wasser wird am Brunnen geholt oder gekauften Trinkwasserflaschen verwendet und Desinfektionsmittel haben wir selber dabei. Wir freunden uns mit einer Krankenschwester an, die nur sagte „Das Leben ist hart hier“. Dennoch bekommen wir sehr viel Liebe und Freude von unseren Patienten. Die HIV Rate ist in Sambia sehr hoch. 38 Prozent der Menschen haben laut Statistik HIV. Daher haben wir uns mit doppelten Handschuhen beim Behandeln ausgestattet und versuchen, vorsichtig zu arbeiten. Die Instrumente werden in einer Desinfektionswanne gesammelt, gereinigt und dann in der Sandy Beach Safari Lodge abends nach der Rückkehr sterilisiert. 

An unserem vorletzten Arbeitstag die Woche, fahren wir in die Klinik nach Siavonga. Die Klinik ist wirklich gut ausgestattet. Aus diesem Grund gab es dort nicht viel für uns zu tun. Wir durften uns statt dessen die verschiedene Stationen anschauen und anschließend einen Ausflug zu der Staumauer zwischen Simbabwe und Sambia machen. Freitag wird für uns ebenfalls zu einem entspannten Tag, wir sind in einer Klinik uns haben nicht all zu viele Patienten.  So können wir uns darum kümmern, den Raum für das nächste Team gründlich zu reinigen und zu entrümpeln.

Das Wochenende verbringen wir im Lower Zambesi Nationalpark. Wir hatten einen unglaublich tollen Safaritag und durften viele Tiere wie Elefanten, Impalas, Krokodile, Vögel, Löwen, Büffel, Warzenschweine usw. bestaunen. Wir verbrachten den ganzen Tag im Auto mit unserer Kamera. In der Mvuu Lodge haben wir tolle Menschen kenne gelernt. Darunter auch zwei Deutsche, die von ihrem Roadtrip durch Afrika erzählen. Die Mvuu Lodge liegt direkt am Fluss, in unserem Häuschen kann man im Bett liegend das Schnarchen der Hippos hören. Auch einen Ausflug mit dem Speed Boat konnte uns unser Fahrer Moses noch ermöglichen. So durften wir auch die Natur vom Wasser aus bestaunen. 

In der zweiten Woche kamen wir in die Klinik von Dr. Geigel. Diese ist keine Klinik wie man sie sich bei uns vorstellt. Es ist eine kleine Buschklinik für uns irgendwo im nirgendwo. Dort ist sogar eine richtige Behandlungseinheit vorhanden, die jedoch durch den vielen Staub und die Hitze nur bedingt funktioniert. So können einem Schläuche schon mal in der Hand zerbröseln. Was uns positiv überrascht hat, war die Idee mit den Patientenakten. Viele Patienten bekommen eine Art Schulheft, indem alle Behandlungen notiert werden. Darunter HIV Tests und auch Zahnbehandlungen. Das ist quasi die sambische Gesundheitskarte der Zukunft, nur ohne Hackerprobleme. Viele Kinder hatten es auf unsere Zahnbürsten und Spielsachen abgesehen. In dieser Hinsicht ist Hermann Striedl sehr streng. Nur wer zur Untersuchung kommt, bekommt auch eine Zahnbürste und ein Spielzeug. Das soll dazu beitragen, die Menschen zur Zahnvorsorge zu bewegen. Unsere Arbeit in diesen Tagen findet in verschiedenen kleinen Zahnstationen statt, in denen wir mal mehr, mal weniger zu tun haben. Das hängt immer davon ab, wie viele Menschen den Buschfunk gehört haben oder ob gerade Schulferien sind. Wirklich schön ist die Balance zwischen Arbeit und Freizeit während unserer Zeit in Sambia. So hatten wir die Möglichkeit nach den Arbeitstagen noch den Sonnenuntergang zu bestaunen oder mit dem Boot eine Stunde auf dem Sambesi zu fahren. Füllungen kommen eher selten vor, da die Zähne überwiegend zu zerstört sind. Auch Zahnsteinentfernungen sind nicht wirklich realisierbar, da Ultraschallgeräte fehlen. Für Handreinigungen hatten wir nur äußerst selten die Zeit und auch die Möglichkeit. Meistens sind die Zahnsteinablagerungen zu massiv für ein Handscaling. Nach weiteren 3 Tagen Arbeit verabschieden wir uns für 5 Tage nach Livingstone. Dort konnten wir endlich das persönliche Highlight auf unserer Reise bestaunen. Die Viktoriafälle! Wir hatten eine wirklich tolle Auszeit in Livingstone. Auch dort wurden wir durch einen Kontakt von Herr Striedl wunderbar betreut. 

In unseren letzten Tagen arbeiteten wir in einer Missionsklinik in Chirundu. Die Klinik heißt Mtendere und hat ein zugehöriges Waisenhaus. Die Dentalabteilung wird von der großartigen Angela geführt, die sich sehr viel Mühe in Hinblick auf Organisation und Struktur gibt. Die Klinik ist für sambische Verhältnisse sehr strukturiert. Wir durften wegen der Entfernung zu unserer Lodge in dem Gästehaus der Klinik schlafen. Auch dort wurden wir sehr herzlich empfangen und versorgt. Die Menschen dort sind sehr an Wissen und Entwicklung interessiert. Dort durften wir auch das erste Mal überhaupt ein Röntgengerät benutzen. Die Röntgenausstattung ist nicht so wie wir sie aus Deutschland gewohnt sind in den heutigen Zeiten, aber wir hatten am Ende ein Bild, und das zählt. Gegen Ende haben wir den Kindern im Waisenhaus noch einen Besuch abgestattet, bevor uns Hermann wieder zurück in die Sandy Beach Lodge gebracht hat.

Unser Behandlungsergebnis ergab am Ende in 10 Arbeitstagen 295 Check ups, 205 Zahnextraktionen, 46 Füllungen, 12 Zahnsteinentfernungen und 10 sonstige Fälle. Wir haben unfassbar viele tolle Menschen kennen gelernt und uns in Sambia sehr wohl gefühlt. Wir können nur den Hut ziehen vor dem was Hermann Striedl in seinen fast 40 Jahren in Sambia aufgebaut hat und freuen uns ein kleiner Teil davon zu sein.

 

 

Wir danken auch all unseren Spendern für ihre Unterstützung. Hierzu gehören:

 

W&H, die Sparkasse Hohentwiel, die Commerzbank Hohentwiel, Henry Schein, Anelk Pharma in Radolfzell, Curaden Schweiz, Septodont und auch einige private Spender.

Wir hatten sage und schreibe 8 Koffer und 239 kg Gepäck beim Abflug. Vollgepackt mit tollen Dentalsachen, haben wir unser Bestes gegeben und jeden Tag davon mit Freude genossen.

Vielen Dank an alle die daran beteiligt waren!

Vielen Dank auch an die Stiftung Zahnärzte Ohne Grenzen in Nürnberg, ohne die wir diese Erfahrung niemals gemacht hätten.

www.dwlf.org

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