Ein Rundgang durch die Praxis - das Behandlungszimmer

Gerade auch im Behandlungszimmer gibt es vieles zu beachten. Verschiedene Richtlinien bilden die Grundlage der Anforderungen. Ich möchte in diesem Artikel erläutern, was dies im Alltag bedeutet und wie meine Routine darin aussieht.

Die Einrichtung und Bestückung des Behandlungszimmers:

Im Behandlungszimmer finden wir zuerst natürlich den Behandlungsstuhl für den Patienten. Bei diesem ist zu beachten, dass eine freie Fallstrecke eingebaut ist. Das Wasser, das in Zahnarztpraxen verwendet wird, ist meist Trinkwasser, das den

nationalen oder internationalen Qualitätsanforderungen genügt. Das Problem dabei:

Diese Anforderungen gelten für das Wasser, das das Wasserwerk verlässt, und nicht etwa für das Wasser, das beim Verbraucher bzw. in der Dentaleinheit ankommt.  Daher ist es für die Behandlung nicht ausreichend und muss mit einer freien Fallstrecke ergänzt werden. In neuen Einheiten ist eine freie Fallstrecke schon eingebaut. Bei älteren Einheiten muss diese aufgerüstet werden. Dabei ist zu beachten, dass die

CE-Kennzeichnung des Stuhls nicht erlischt. Dies ist momentan meines Wissens nur bei einem Gerät auf dem Markt der Fall, dem Bacterminator. Momentan hat Henry Schein die Exklusivrechte auf das Gerät. Informieren Sie sich bei Ihrem Ansprechpartner.

Des weiteren sind die Behandlungszimmer mit einem Händedesinfektions- und Seifenspender auszurüsten. Diese sollten handfrei zu bedienen sein. Außerdem sind Einmalhandtücher, Becher und die persönliche Schutzkleidung bestehend aus Schutzbrille mit Seitenschutz, Mundschutz und Handschuhe zur Verfügung zu stellen. Für die Behandlung von hoch infektiösen Patienten sind außerdem spezielle Atemmasken nach FFP3 im Vorrat zu halten.  Für die Desinfektion nach der Behandlung sind vollviruzide Desinfektionsmittel wie z.B. FD 333 forte von Dürr einzusetzen. Werden die Desinfektionsmittel selber angesetzt oder getränkt, muss diese dokumentiert werden. 

Zum einen ist die Lotnummer, das Ansetzdatum und das Ablaufdatum, sowie der Name des Präparates und die Einwirkzeit auf dem Eimer zu dokumentieren. Zusätzlich haben wir in der Praxis eine Liste, in der wir die Öffnung der Desinfektionsmittel und das Ansetzen von Desinfektionsmitteln dokumentieren. Wir bewahren die Einträge zwei Jahre auf. So ist nachvollziehbar zu welchem Zeitpunkt was genutzt wurde und dass alle wichtigen Parameter eingehalten wurden.

Die Fenster im Behandlungszimmer sollten mit Fliegengitter ausgestattet sein. Das verhindert das Eindringen von Tieren, die sich auf Medizinprodukten absetzten könnten und so für eine Kontamination sorgen. Wer über eine interne Lüftung verfügt, braucht keine Fliegengitter anbringen. In diesem Fall sollten die Fenster jedoch auch nicht geöffnet werden.  

 

Die Vorbereitung am Morgen:

Jeden Morgen werden die Behandlungseinheiten mit einem Liter Wasser gespült und die Hand-und Winkelstücke sowie das Sprayvite und das ZEG-Handstück jeweils eine Minute gespült. Die Ablagen sollten nochmals desinfiziert werden, um mit sauberen Flächen in den Tag zu starten. Offenes Instrumentarium in der Schublade sollte nicht länger als maximal 7 Tage in der Schublade lagern. Daher gilt nach dem Urlaub oder auch nach dem Wochenende auf eingeschweißte Instrumente umzusteigen. Zumindest bis wieder frisch aufbereitete Instrumente in den Schubladen vorhandnen sind. Wir haben dazu ein paar Packungen mit Grundbesteck, Füllungsinstrumenten und zwei Bohrersetzs eingeschweißt im Vorrat. Auch für pulpennahe Behandlungen sollte ein steriler Rosenbohrer verwendet werden.

Die Behandlung des Patienten:

Vor der Behandlung eines Patienten ist abzuklären, ob sich in der Anamnese etwas geändert hat. Wenn der Patient sitzt bekommt er einen Becher mit CHX-Spülung. Mit dieser sollte mindestens 30 Sekunden gespült werden. Damit senken wir das Risiko von kontaminiertem Aerosol während der Behandlung. Während der Behandlung muss die persönliche Schutzausrüstung angelegt werden. 

Handschuhe werden vor dem Verlassen des Zimmers immer ausgezogen und entsorgt. Handschuhe dürfen nicht desinfiziert und mehrfach verwendet werden! Nach dem Ablegen der Handschuhe ist sofort eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. 

Die Dokumentation:

Der Patient muss genau über alle Abläufe, Kosten und Alternativen aufgeklärt werden. Hier gilt seit 26.02.2013 auch das Patientenrechtegesetz. In der Karteikarte sind alle Aufklärungen, Abrechnungspositionen, Indikationen und Befunde sowie verwendeten Materialien zu dokumentieren. Die Chargenummer muss nur bei Knochenersatzmaterial und Implantaten aufgeschrieben werden. Sprich alles was im Mund verbleibt. Außerdem ist es gut, die Mitarbeiterkürzel zu notieren. So ist genau nachvollziehbar wer bei der Behandlung dabei war. Die Tastatur sollte desinfizierbar sein. Daher entweder einen Tastaturschutz kaufen oder auf handelsübliche Frischhaltefolie zurückgreifen. 

Nach der Behandlung:

Nach der Behandlung muss das Zimmer neu aufbereitet werden. Hierzu wird zuerst gelüftet, der Müll entsorgt, die Behandlungseinheit sowie die Hand- und Wínkelstücke mit Wasser nachgespült und die Oberflächen desinfiziert. Bei der Desinfektion reinigt man von wenig verschmutzt bis zu stark verschmutzt. Nadeln werden durch ein Recapping-System in speziellen Abwurfbehältern entsorgt. Das gleiche gilt für gezogene Amalgamzähne. Diese sind in speziellen Boxen zu entsorgen und durch ein Entsorgungsunternehmen abzuholen.

Der Transport in den Aufbereitungsraum muss geschlossen erfolgen. Hierzu kann einfach ein Traydeckel genutzt werden oder eine Instrumentenwanne mit Deckel. Jedoch sollte auf Chemikalien verzichtet werden. Man spricht in dem Fall von einer Trockenentsorgung.

Anschließend wird für die nächste Behandlung gerichtet. Hierzu sollten Behandlungschecklisten vorhanden sein. Für chirurgische Eingriffe mit zwei oder mehreren Behandlern müssen auch OP-Checklisten vorliegen. Die Aufbereitung des Behandlungszimmer muss immer mit Schutzausrüstung durchgeführt werden. Nach dem Ablegen ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen. Hand-und Winkelstücke sowie Pusteraufsätze müssen nach jedem Patienten gewechselt werden.

Pflege des Zimmers über die Mittagszeit:

Vor der Mittagspause wird die Behandlungseinheit, genauso wie Abends, mit einem Desinfektionsmittel gespült wie z.b. Orotol. Nach der Mittagspause muss ebenfalls wie Morgens ein Liter Wasser nachgespült werden. Einmal die Woche kann ein Spezialmittel wie MD 555 von Dürr als Spezialreiniger für die Sauganlage dienen. Da dieses Mittel nicht zu lange stehen sollte, bietet sich das gut in der Mittagszeit an.  

Am Ende des Tages:

Am Ende des Tages sind alle Oberflächen gründlich zu desinfizieren. Die Einheiten werden mit einer Desinfektionslösung gespült und ggf. alle Siebe gereinigt. Wer Einwegsiebe verwendet, sollte diese wegen Amalgamresten auch durch eine Spezialfirma entsorgen lassen. Wer Mehrwegsiebe verwendet muss gewährleisten, dass Amalgamreste nicht ins Grundwasser gelangen.  

Wartungen im Behandlungszimmer:

Die Behandlungseinheit ist einmal im Jahr einer Wartung zu unterziehen. Alle anderen Geräte sollten durch eine Sicherheitstechnische Kontrolle regelmäßig geprüft werden. Dabei gelten die Vorgaben des Herstellers. Bei neuen Geräten ist es wichtig, dass eine Ersteinweisung durch den Hersteller oder den Lieferanten erfolgt ist. Diese muss als schriftlicher Nachweis vorliegen. Die Lichtleiter der Lichthärtelampe kann an Leistung nachlassen. Dabei kann es zu unvollständig ausgehärteten Füllungen kommen. Daher sind auch Lichtleiter regelmäßig zu prüfen (siehe Herstellerangabe). Alle aktiven Medizinprodukte mit einem Stecker, müssen in regelmäßigen Abständen nach BGV A3 von einem Elektriker geprüft werden (Siehe hierzu unter folgendem Link). Zu guter letzt geht es noch um die Wasserproben. Einmal im Jahr müssen von allen Einheiten Wasserproben entnommen werden und in einem Labor ausgewertet werden. 

Wir arbeiten hier mit der Firma Hücker und Hücker zusammen. Einen kleinen Überblick dazu gibt es in dem Link.

 

Fazit:

Auch im Behandlungszimmer gibt es einiges zu beachten. Zahlreiche Vorschriften im Bereich Hygiene, Patienten und Personalschutz fordern uns zu unterschiedlichen Aufgaben auf. Ich habe hier meine Erfahrungen zusammengefasst und hoffe, dass es für viele einen Mehrwert liefert. Viel Spaß bei der Umsetzung! 

 

Quelle Foto: Fotolia 

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